
"Die Farbe ist mir egal"
19.02.2007
Oberhof. (tlz) Wenn am 22. Februar im japanischen Sapporo die nordische Ski-Weltmeisterschaft beginnt, gehört Ronny Ackermann zu den Thüringer Hoffnungsträgern. Der nordische Kombinierer vom Rhöner WSV Dermbach holte in seiner Laufbahn bereits drei Weltmeistertitel. Über den bisherigen Saisonverlauf, seine Ziele bei der WM in Japan und die sportliche Zukunft sprach die TLZ mit dem 29 Jahre alten Sportsoldaten.
Worauf freuen Sie sich während der WM in Japan ganz besonders?
Auf das Sprintrennen. Das wird im 42 000 Zuschauer fassenden Sapporo Dome ausgetragen, wo 2002 bei der Fußball-WM auch die deutsche Mannschaft in der Vorrunde gegen Saudi-Arabien mit 8:0 gewonnen hat. Das wird sicherlich ein ganz besonderes Erlebnis.
Welches Sie mit einer Medaille krönen wollen?
Ich will in jedem Wettkampf auf das Podest. Aber Erfolge kann man nicht planen.
Mit welchem Gefühl fliegen Sie am heutigen Dienstag nach Japan?
Mit einem guten Gefühl. Wir hatten vor dem letzten Weltcup in Zakopane ein sehr gutes Trainingslager in Lillehammer und haben in den vergangenen Tagen auch in Klingenthal intensiv für die WM gearbeitet.
Wo lag da der Schwerpunkt?
Ich habe mit dem Institut für Angewandte Trainingswissenschaften aus Leipzig an meinem Sprungstil gearbeitet.
Mit Erfolg?
Wir werden sehen. Durch meinen aggressiven Stil ist beim Springen der Anstellwinkel zu den Skiern zu flach. Wir haben daran gearbeitet, die Flugeigenschaften noch optimaler zu nutzen.
Sind jetzt auch alle Materialprobleme behoben?
Sagen wir es so: Ich bin auf einem guten Weg. Ich habe meine optimalen Langlauf-Skier und verwende beim Springen zwei verschiedene Marken. So bin ich flexibler.
Und die Sprung-Schuhe?
Die habe ich während der Saison gewechselt. Deshalb habe ich im Weltcup auch so unterschiedliche Leistungen gezeigt. Von Platz drei bis 15 war alles dabei. Noch ist nicht alles hundertprozentig. Aber ich bin zuversichtlich.
Vor zwei Jahren haben Sie bei der nordischen Ski-Weltmeisterschaft in Oberstdorf unter dem Jubel tausender Fans zwei Mal Gold geholt. Was erwartet Sie von der Stimmung her in Japan?
Das weiß ich nicht so genau. Die Weltcups dort sind nicht so toll besucht. Aber zur WM wird das hoffentlich anders sein. Denn mir macht es Spaß, vor einer großen Kulisse zu laufen. Das motiviert.
Sie waren bereits 1998 bei Olympia in Nagano, erleben Ihre vierte Weltmeisterschaft. Wie aufgeregt sind Sie vor dem Wettkampf?
Ich bin selbst vor einem Weltcup aufgeregt. Eine gewisse Anspannung ist optimal, weil man damit auch einen gewissen Respekt bekommt. Wenn ich das nicht mehr hätte, dann müsste ich aufhören.
So weit ist es aber noch nicht?
Nein, auf keinen Fall. Ich habe noch riesigen Spaß am Sport und will den noch so lange wie möglich betreiben.
Noch bis zu den Olympischen Winterspielen im Jahre 2010 in Vancouver?
Klar, auf jeden Fall. Da will ich noch dabei sein.
Wie schaffen Sie es, trotz der Anspannung konzentriert zu bleiben?
Das kommt darauf an. Mal lenke ich mich mit Fußballspielen ab, mal höre ich einfach nur Musik.
Geht es da hart zur Sache?
Das kommt auf die Stimmung an. Ich höre alles. Wenn ich mich pushen muss, wird es laut. Zur Entspannung höre ich eher ruhige Musik.
Und wie soll die WM verlaufen? Geben Sie in allen drei Rennen den Ton an?
Das wäre schön. Mein Ziel ist es bei der WM, in den drei Wettbewerben mindestens eine Medaille zu gewinnen.
Die Farbe ist egal?
Ja, die ist mir egal. Es ist doch immer wieder so: Es entscheidet oft die Tagesform oder man braucht einfach nur das Quäntchen Glück.
12.02.2007, Von Axel Lukacsek

