Sommer Grand Prix in Oberhof und Steinbach – Hallenberg - ein Stimmungsbericht
27.08.2007
Ein Sonne – Wolken- Gemisch lag über dem traditionsreichen Kanzlersgrund.
Nicht schneelastige, gebeugte Fichten und Schneemauern säumen die Straße, sondern sattgrüne Nadelbäume verströmen Sommerduft.
Es ist eine ganz eigene Stimmung, die sich einstellt, wenn man sich im August auf der relativ schmalen, kurvenreichen Straße den „Grund“ hinauf der „Hanns- Renner- Schanze“ nähert.
Skispringen im Sommer? Soll man es als Wintersportpurist ablehnen, oder soll man es pragmatisch sehen und gut finden, dass man beim Skispringen in kurzen Sommersachen sitzend einen tollen Sport verfolgen kann?
Ich tendiere zu zweiter Ansicht während ich auf die Schanze zu steuer, welche Hans Renners Namen trägt, ohne den Skispringen im Sommer nicht möglich geworden wäre.
Vor gut 50 Jahren hatte der Zella- Mehliser (DDR- Nationaltrainer)die Matten erfunden, und damit das Training der Mitteleuropäer vom Schnee (mangel) unabhängig gemacht.
Sportler wie Harry Glaß, Werner Lesser und Helmut Recknagel aus Steinbach- Hallenberg konnten in die von Skandinaviern beherrschte Weltspritze vordringen.
In der Tradition des ersten deutschen Weltmeisters im Skispringen, Helmut Recknagel, steht der aktuelle Weltmeister in der Nordischen Kombination, Ronny Ackermann.
Und es spannt sich dieser Bogen über den Kanzlersgrund von Steinbach – Hallenberg nach Oberhof, den Austragungsorten des gerade beginnenden Wettkampfs.
Diese Gedanken seien eingangs gestattet, denn sie geben dem interessierten Fan und Zuschauer noch einen vielleicht unbekannten Hintergrund und machen das Erlebnis Sommer Grand Prix noch intensiver.
Für Ronny sind diese Wettkämpfe eine wichtige Zwischenstation im Trainingsaufbau und auch für die Standortbestimmung in der Weltelite von Bedeutung.
Nach dem Grundlagenausdauertraining in Neuseeland und einer anschließenden Zwangspause durch einen Infekt liegt sein Fokus insbesondere auf dem Springen. Dort gilt es die Basis, den Automatismus zu festigen.
Bei den Sprungskiern ist Ronnys Entscheidung nun endgültig für ELAN gefallen.
Im letzten Winter hatte es noch je nach Bedingungen zwischen Elan und Atomic entschieden. Doch diese höhere Flexibilität erfordert einen deutlich höheren Materialtestaufwand.
Nun konzentriert sich Ronny auf das slovenische Produkt und feilt natürlich auch während der Sommerwettkämpfe am richtigen Setup für die verschiedenen Schanzen und Bedingungen.
Natürlich haben wir in der Vergangenheit oft Sprungwettkämpfe im Kanzlersgrund erlebt, die Ronny dominiert hat. Am Wochenende sah er sich, völlig entspannt, ungefähr 10m hinter den Besten.
„Meine Anfahrtsposition passt, das Timing am Absprung muss ich noch stabilisieren, aber ansonsten bin ich mit meinen Sprüngen schon zufrieden.“
Gerade die Wettkampfsprünge auf 124m waren vom Ablauf so, dass Ronny vor den Journalisten einschätzte: „Von solchen Sprüngen brauche ich jetzt mal so 20-30 Stück und dann passt das.“
Wer den Weltmeister und seine Erfahrung kennt, weiß, dass solche Aussagen bei ihm berechtigten Optimismus bedeuten. Er ist nicht der Typ, der da sich und anderen etwas vormacht.
Am Ende des Springens war eine starke, deutsche Gruppe für den Lauf auf Inlinern durch Steinbach-Hallenberg entstanden, die große Namen wie Georg Hettich, Björn Kircheisen, Ronny Ackermann und Tino Edelmann umfasste.
(Platz 11 bis 14 nach dem Springen)
Gerade einer solchen Gruppe, die kooperiert, räumte Ronny nach dem Springen gute Chancen ein, auf dem selektiven Laufkurs noch nach vorn zu kommen.
Wie Ronny es prophezeit hatte, kam die Gruppe im abendlichen Steinbach- Hallenberg gut vorwärts. Die erste Runde führte Georg Hettich, die zweite und dritte Runde übernahm Ronny die Führung und leider auch etwas sich selbst.
Zu lange im Wind gelaufen musste er abreißen lassen und konnte der Gruppe zwar mit Abstand folgen, aber die Lücke nicht mehr schließen.
Ein typischer Fehler, wie er sagte, nach einer langen Grundlagenausdauer – Trainingseinheit. Es fehlt dem Körper etwas das Gefühl für solche Wettkampfsituationen.
Die Gruppe selbst kam knapp ans Siegerpodest ran, Ronny wurde insgesamt Achter.
Mit diesem weiteren TopTen- Ergebnis kann er gut leben. Ronny sieht den weiteren Wettkampfstationen mit einer Mischung aus gelassener Erwartung und dem ihm eigenen Ehrgeiz entgegen.
Peter Anacker





