Ab in den Tunnel
19.09.2008
Heute fährt der Thüringer Ronny Ackermann (31) ins schwedische Torsby, um dort im Skitunnel zu trainieren. Die Thüringer Allgemeine sprach zuvor mit dem erfolgreichsten Kombinierer der letzten Jahre.
Ab Juni 2009 können Sie sich die Reise in den hohen Norden sparen, dann soll der Skitunnel in Oberhof fertig sein. Sehnen Sie den Zeitpunkt herbei?
Ja, weil das dann unter anderem deutlich kostengünstiger wird und man das ganze Jahr auf Schnee trainieren kann. Das erleichtert auch das Testen von Material.
Sie gelten als unnachgiebiger Tüftler. Sind Sie für diese Saison gut gerüstet?
Noch nicht ganz. Ich suche immer noch den passenden Sprung-Schuh für mich Und da ich sehr sensibel auf kleine Veränderungen reagieren, kann das viel Zeit in Anspruch nehmen und auch Nerven kosten.
Zur Beruhigung könnten Sie ja von der Schokolade des TA-Goldhelms essen, den Sie als erster Thüringer Sportler im Februar erhalten haben. Oder existiert er gar nicht mehr?
Doch, ich habe auch nicht vor, ihn in den nächsten Monaten anzurühren, Er steht in der Wohnung. Im Sommer musste der Goldhelm wegen der Sonneneinstrahlung zwar ab und zu mal verschoben werden. Aber er ist nicht weg geschmolzen, sondern steht noch in voller Pracht da. Und das soll vorerst so bleiben.
Zurück zu den Schuhen. Wieviel Paar haben Sie denn dieses Jahr in der Vorbereitung schon probiert?
Drei. Das heißt allerdings dann auch, dass die Spezialschuhe, mit denen ich nicht so zufrieden bin, umsonst für mich angefertigt worden und sozusagen nur für den Ofen sind.
Ist es so kompliziert, den passenden Schuh zu finden?
Jeder, der beispielsweise joggt, kann das bestimmt nachvollziehen. Wenn man den Schuh wechselt, sind es Kleinigkeiten, die anders sind und störend wirken können. Und bei mir muss der Schanzen-Schuh ja für den Anlauf und für das Springen stimmen.
Kann man denn ein Schuhpaar nicht zwei Winter hintereinander tragen?
Doch, aber meins ist nach anderthalb Jahren verschlissen.
Vertrauen Sie bei der Entscheidung über das Material nur dem eigenen Urteil?
Bei Schuhen kann einen kaum jemand anders beraten.
Aber Sie vertrauen auch sonst nicht so vielen Personen. Oder?
Ich vertraue in meinem sportlichen Umfeld fast ausschließlich immer noch jenen Leuten, die von Anfang an meiner Seite sind.
Beispielsweise Bundestrainer Hermann Weinbuch?
Ja. Bei uns beiden weiß jeder wie der andere tickt.
Gehört dazu auch, dass er weiß, dass man Ronny Ackermann in bestimmten Situationen besser nicht ansprechen, sondern in Ruhe lassen sollte?
Bin ich wirklich so kompliziert? Klar, habe ich meinen eigenen Kopf. Und den will ich trotz des ungemein wichtigen Teamgeistes auch manchmal durchsetzen.
War der Dickkopf also daran Schuld, dass Sie am Montag den Sportlertreff in Erfurt versäumt haben?
Nein, überhaupt nicht. Das war ein Fehler meiner Agentur. Sie hat den Termin verpasst, ich wusste von diesem nichts. Es war ein unglücklicher Kommunikationsfehler.
Die Veranstaltung hätte beinahe abgesagt werden müssen.
Das tut mir sehr leid. Doch ich versichere, dass ich Zusagen einhalte. Das ist so und wird so bleiben. Mich hat es jedenfalls ganz schön beschäftigt wie danach über mich geurteilt wurde.
Ronny Ackermann, der Typ mit Ecken und Kanten. . .
Ja, das mag ja vielleicht sein. Aber trotzdem bin ich verlässlich. Das ist mir wichtig.
Gespräch: Gerald MÜLLER / Quelle: Thüringer Allgemeine vom 19.9.2008


