Die Bietigheimer Zeitung (Redaktion: Klaus Vestewig) führte das Interview mit dem viermaligen Weltmeister:
Jahrelang war Ronny Ackermann der weltbeste Nordische Kombinierer. Im Nu hat der 34-Jährige nun den Sprung ins Bundestrainer-Quartett vollzogen.
Ronny, unter Chefbundestrainer Hermann Weinbuch leiten Sie zusammen mit Holger Bauroth und Kai Bracht das Training im Weltcup-Team. Wie kommen Sie zurecht?
RONNY ACKERMANN: Ich versuche, mich zurechtzufinden. Wie es sich bisher angelassen hat, damit kann ich zufrieden sein. Ich versuche, in diesem Jahr alle Facetten kennenzulernen. An der Trainerakademie in Köln will ich im April und Herbst die Lizenz machen.
Nach dem Ende Ihrer Karriere nach der vergangenen Saison sind Sie ungewöhnlich schnell gleich in den Bundestrainerstab der deutschen Kombinierer aufgerückt. . .
ACKERMANN: Ich wusste schon im Januar, dass es nicht weitergeht. Die körperlichen Schwankungen bei Belastungen haben sich nicht gelegt, so war meine Karriere beendet. Der Impuls Richtung Traineramt kam dann von mir, ich wollte mich mit dieser Vorstellung anfreunden. Ob es dann gleich die Nationalmannschaft sein muss, kann man sich fragen. Vielleicht wäre es günstiger, weiter unten anzufangen. Aber der Blick ging Richtung Weltspitze, man verliert ja den Kontakt nicht.
Wie ist denn die Aufgabenverteilung im neuformierten Trainerteam?
ACKERMANN: Die Trainingskonzeption haben wir zusammen zu Viert gemacht. Hermann Weinbuch lässt uns Erfahrung sammeln. Kai Bracht betreut die Springer, Holger Bauroth kümmert sich um den Langlauf. Ich mache ein bisschen beides und erledige die Organisation. Jeder hat seine Aufgabe.
Thomas Pfüller, der DSV-Geschäftsführer und Sportdirektor Biathlon/Nordisch, hat gesagt, Sie sollten zum Chefbundestrainer aufgebaut werden. . .
ACKERMANN: Das ehrt mich, wenn Thomas das sagt. Für mich ist entscheidend, da reinzuschnuppern und zu sehen, wie es sich entwickelt. Ich bin nicht der Typ, der zwei oder drei Jahre vorausplant. Es macht Riesenspaß, den Jungs meine Erfahrung weiterzugeben, den Rest wird man sehen.
Sie haben als Athlet viele Jahre das Geschehen an der Weltspitze bestimmt. Was ist nun anders beim Wechsel ins Traineramt?
ACKERMANN: Als Athlet setzt man sich mit seiner persönlichen Leistungsfähigkeit auseinander und kriegt sonst nicht so viel mit. Als Trainer ist man für die ganze Mannschaft verantwortlich, man muss ständig im Kopf hin- und herswitchen. Die Aufgaben sind deutlich anders und mehr. Es wird kein langweiliges Jahr, es fordert einen.
Bei der WM in Oslo im März war Deutschland bei den Kombinierern mit sechs von acht möglichen Medaillen die klar dominierende Nation. Im Sommer-Grand-Prix ist das gerade so weitergegangen. Wie ist vor dem Saisonauftakt am Freitag in Kuusamo der Stand im Team?
ACKERMANN: Zwar sind auch die Österreicher, Franzosen und Norweger stark, aber wir sind gut aufgestellt. Wir müssen schauen, dass sich unsere vier Besten, Eric Frenzel, Johannes Rydzek, Björn Kircheisen und Tino Edelmann, weiterentwickeln. Und wir müssen die Lücke beim fünften und sechsten Mann schließen. Wenn einer von den Vieren ausfällt, dann hatten wir nämlich bisher ein Problem. Wir müssen uns breiter aufstellen und auch die Spitze optimal fördern.
Welche Athleten bieten sich denn jetzt als die Nummer fünf, sechs oder sieben in der Mannschaft an?
ACKERMANN: Da muss man abwarten. Fabian Rießle hat sich sehr gut entwickelt, auch Christian Beetz, in erster Linie sind es die Beiden. Manuel Faißt ist ein sehr junger Athlet, und es gibt noch ein paar interessante Leute. Wir freuen uns auf die Arbeit. Es ist wichtig, dass wir über Jahre das Grundniveau aufbauen.
Mit welchen Zielen gehen Sie in die neue Saison?
ACKERMANN: Für mich ist wichtig, dass wir gut miteinander auskommen, wenn wir unterwegs sind. Die Leute sollen Spaß am Springen und Laufen haben, der Rest geht von allein. Von unseren Top-Vier ist jeder in der Lage, einen Podiumsplatz zu schaffen. Die puschen sich gegenseitig. Das Feuer merkt man, die saugen regelrecht auf, was man ihnen sagt.
In dieser Saison wird es statt der nur 13 Wettkämpfe im vergangenen Winter nun 27 geben. Wird die Nordische Kombination wieder mehr Stellenwert bekommen?
ACKERMANN: Schön, dass der Weltcup-Kalender so voll ist, das wird eine sehr lange Saison. Für die Disziplin ist es sehr wichtig, präsent zu sein. Wichtig sind auch verschiedene Wettkampfformate. Selbst für Insider braucht es etwas Neues.
Wie sehen Sie unter diesen Vorzeichen die Zukunft Ihrer Disziplin?
ACKERMANN: Es ist ein positiver Trend. Viele Wettkämpfe geben eine gute Perspektive. Mit Schonach und Klingenthal sind zwei deutsche Weltcup-Orte darunter. Damit können wir zufrieden sein. Zu Hause zu starten, hat einen ganz besonderen Reiz. Wir sind auf einem positiven Weg.



