Foto: Picture-Alliance

„Ich muss nicht die Pace machen“

11.02.2008

Südthüringer Zeitung vom 07.02.2008 / Ronny Ackermann arbeitet mit Hochdruck für den Gesamtsieg im Weltcup der nordischen KombinationWettkampfpause haben derzeit die weltbesten Nordisch-Kombinierer. Friedhofsruhe herrscht jedoch vor dem letzten Drittel der Weltcupwettbewerbe nicht. Vor allem der Cup-Führende, Ronny Ackermann aus Unteralba, arbeitet derzeit akribisch, um seinen dritten Weltcup-Gesamtsieg in trockene Tücher zu bringen. Zeit für ein Telefongespräch mit der stz aus seinem gegenwärtigen Trainingscamp im österreichischen Ramsau fand der 30-jährige viermalige Weltmeister dennoch.

stz: Sie führen die Weltcup-Wertung mit komfortablem Vorsprung an. Werden Sie nach dem letzten Wettkampf am 9. März in Oslo das Gelbe Leibchen für immer behalten können?

Ronny Ackermann: Wir haben in dieser Saison 24 Wettkämpfe zu bestreiten, so viele wie noch nie zuvor, neun stehen noch aus. Da kann noch ganz viel passieren.


Zwischen dem letzten Wettkampf in Seefeld und dem nächsten im tschechischen Liberec haben Sie fast drei Wochen Pause. Haben Sie Ihre Akkus wieder aufgeladen?

Viel Zeit zum Erholen bleibt nicht. Ich habe vor allem gezielt trainiert. Hier in Ramsau sind dazu optimale Bedingungen, vor allem auf der Schanze.


Sie haben Ihren Sprungstil sichtlich verändert, springen ähnlich wie der derzeit weltbeste Skispringer, Thomas Morgenstern, mit einem starke Hüftknick. War das ausschlaggebend für Ihre zuletzt stabilen Sprünge?

Die Umstellung meines Sprungstils war ein sehr langer, mühsamer Weg, der jedoch nie abgeschlossen ist. Die Sprungtechnik muss ich mir immer wieder neu erarbeiten. Dieser Hüftknick zum Beispiel erfordert enorme Körperspannung.


Auffällig im bisherigen Saisonverlauf war die unterschiedliche Qualität Ihres Laufmaterials. Gibt es da noch Reserven?

Ja, daran arbeiten wir mit Hochdruck. Ich habe mir einige neue Skier kommen lassen und getestet. Eno (Skitechniker Enrico Heisig/d. R.) versieht diese seit zwei Tagen mit neuen Schliffen. Ich gehe davon aus, dass die Wettkämpfe in Liberec in zehn Tagen bei hohen Temperaturen über die Strecken gehen. Da spielt das Material eine enorme Rolle.


Liegt Ihnen die Schanze in Liberec?

Sie ist sehr windanfällig. Man muss höllisch aufpassen. Dennoch mag ich die Anlage, weil sie der von Oberhof ähnelt. Man erlebt ein sehr intensives Fluggefühl.


Sie sind derzeit ob Ihrer Weltcupführung in der komfortablen Situation, nicht unbedingt agieren zu müssen, sondern brauchen nur noch zu reagieren. Ist das ein Vorteil für die noch ausstehenden Wettbewerbe?

Ich denke schon, dass es ein Vorteil ist. Das soll aber nicht heißen, dass ich nicht mehr angreife. Wenn die Situation es hergibt und das Material stimmt, werde ich auch ohne Teamarbeit mit anderen Athleten auf Sieg rennen. Nur, ich habe gerade zu Beginn der Saison oft die Führungsarbeit beim Laufen gemacht und mich verausgabt, während ander Körner gespart haben und ich letztendlich gegen sie das Nachsehen hatte. Niemand kann mir verübeln, dass ich als Weltcupführender nicht unbedingt die Pace mache.


Sie führen im Weltcup mit über 200 Punkten Vorsprung vor dem US-Amerikaner Bill Demong. Kann er Ihnen Ihren dritten Weltcup-Gesamtsieg noch streitig machen?

Wie gesagt, bei den noch ausstehenden neun Wettkämpfen werden noch eine Menge Punkte vergeben. Bill ist sehr gut drauf, hat Top-Material und ist äußerst selbstbewusst geworden. Die größte Gefahr lauert jedoch im eigenen Körper, eine Erkältung oder Verletzung und der Gesamtweltcup ist passé.


Dass dem nicht so sein wird, wünsche ich Ihnen und sicher auch alle Thüringer Wintersportfreunde.

Vielen Dank!

Interview: Gert Hellmann / Südthüringer Zeitung vom 07.02.2008